Die Vielzahl an Hinweisen, Veröffentlichungen, Meinungen, Vermutungen,
aber auch Spekulationen um die Herkunft der
"Blaufränkisch-Lemberger-Limberger-Rebe“ könnte sicher noch
mit weiteren Angaben zu diesem Thema ergänzt werden. Doch
aus der Erfahrung der vorliegenden Arbeit ist ein plausibles,
belegbares Ergebnis derzeit nicht zu erwarten.
Über die geographische Herkunft sowie die zeitliche Einordnung
der ersten "Blaufränkischen Rebe“ wurde und wird noch
viel herumgerätselt. Die wenigen Ampelographen, die sich mit
diesem "Phänomen“ beschäftigen, konnten bis dato (noch)
kein schlüssiges Ergebnis vorweisen. Das gleiche gilt auch für
die weinbaulichen Veröffentlichungen in der jüngeren Vergangenheit.
Nur wenige Autoren scheinen sich vertiefend mit der
Herkunft bzw. Abstammung dieses Rotgewächses befaßt zu
haben.
Aus heutiger Sicht kann es nicht nur allein Sache der Ampelographen
und Oenologen sein, diese "Gretchenfrage“ zu beantworten
– die Frage nach der Herkunft der Blaufränkisch-Rebe. Hier
sind in besonderem Maße ebenfalls die Wein-Historiker, die
Philologen, vielleicht sogar die Genforscher gefragt.
Wie ein roter Faden zieht sich heute in der Weinliteratur häufig
die stereotype Antwort durch: "Herkunft unbekannt“ oder
"eine von Karl dem Großen selektionierte gute Sorte“, oder es
wird lapidar "der Donauraum“ als Herkunftsgebiet genannt.
Andere alte Rebsorten, etwa der Riesling oder auch der Spätburgunder,
können auf Grund ihrer Herkunft einigermaßen
durch schriftliche, urkundliche Unterlagen und Hinweisen belegt
werden. Beim Blaufränkischen sind Beweise leider (noch) Mangelware
bzw. nicht vorhanden.
In der österreichischen Weinliteratur der letzten 250 Jahre
sind nur einige wenige Anhaltspunkte zu finden, aus denen vielleicht vage Versionen über die Herkunft des Blaufränkischen
abgeleitet werden können.
Der schwäbische Weinbaupionier Cameralverwalter I. Dornfeld
schrieb 1868 u.a. in seinem Buch "Die Geschichte des Weinbaus
in Schwaben“ eine bemerkenswerte Passage, die nicht uninteressant
ist und die Hinweise auf die Herkunft aus der französischen
Weinbauregion Burgund geben könnte.
"Jedenfalls gehöret insbesondere die Clevnertraube zu denjenigen,
welche schon in den ältesten Zeiten bei uns und namenthlich
im Neckarthale und den dort einmündenden Seithenthälern
angepflanzt wurden.
Die Clevner- oder Burgundertraube kommt schon in den ältesten
Urkunden unter dem Namen fränkische, französische, öfters
vor, doch wird unter der roth- und weißfränkischen Traube hie
und da auch der Traminer verstanden ...
... dagegen gleicht die Clevnerrebe fast ganz den in Burgund
und in der Champagner angebauten Burgunderreben, so daß wir
um so mehr mit Zuverlässigkeit annehmen dürfen, unsere Clevnerrebe
stamme aus Burgund, als der Weinbau überhaupt von
Frankreich aus, mithin auch die dort angepflanzten Reben, zu
uns gekommen sind und später viele Reben aus Burgund zur
Anpflanzung nicht nur in Württemberg, sondern auch in andern
Theilen Deutschlands beschrieben wurden, wie z.B. nach Böhmen,
wo aus Burgunderreben der bekannte rothe Melnecker
gewonnen wird.
Auch der Umstand, daß früher manche unserer rothen Weine
auf Burgunderart bereitet und dieser Ausdruck für sorgfältig
behandelte rothe Weine gebraucht, sowie, daß die rothen Trauben
häufig fränzische, fränkische, französische genannt wurden,
beweist, daß dieselben von Burgund auch bei uns eingeführt wurden
... mit dem 30jährigen kriege und den nachherigen Kriegen
mit Frankreich zu Ende des 17. Und Anfang des 18. Jahrhunderts,
änderte sich nach und nach der Rebsatz ...“
Soweit Dornfeld.
Für die Ampelographen und Historiker wäre der Hebel durchaus
einmal im Weinbaugebiet von Burgund anzusetzen und dort zu
recherchieren, um welche französische Rebsorte es sich im 18.
Jahrhundert gehandelt haben könnte, die unter Herzog Carl von
Lothringen nach Gumpoldskirchen und Umgebung gebracht
bzw. dort angebaut wurde.
Widmen wir die nachfolgenden Zeilen einer weiteren Version,
nämlich der, daß die Blaufränkischrebe aus der Zeit von Kaiser
Karl dem Großen (also um 800 n. Chr.) stamme. Ruckenbauer/
Traxler haben diese These vertreten, ebenso 1980 der österreichische
Weinschriftsteller Helmut Romé. Gleicher Meinung war
1979 auch Rudolf Steurer. 1995 bezieht sich der Österreicher
Walter Kutscher ebenfalls auf die Story von Karl dem Großen,
dem Gründer des Römischen Reiches Deutscher Nation. Dipl.
Ing. Willi Wunderer von der Lehranstalt in Klosterneuburg
schließt sich 1994 dieser Meinung an.
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