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Robert Schlumberger, der österreichische Weinbaupionier
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Bleiben wir zunächst bei der Person des am Anfang erwähnten
Robert Schlumberger, der bereits in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts
die "Gesellschaft für die Weinverbesserung in Württemberg“
mit einem Angebot zur Lieferung von Portugieserschnittlingen
auf sich aufmerksam gemacht hatte. Im Großraum von
Ulm in Württemberg, in den bäuerlichen Gemeinden Öllingen
und Setzingen bei Langenau, soll die Wiege der Vorfahren der
Schlumberger-Dynastie gestanden haben; hieraus sind später (im
europäischen Raum) zum Teil bedeutende Persönlichkeiten aus
Wirtschaft, Kunst, Kultur und Wissenschaft hervorgegangen.
Der österreichische Familienzweig der Schlumbergers wird
von Johannes Schlumberger angeführt, der am 12.2.1767 in
Ulm geboren sein soll. Vom Maurerlehrling (im Alter von 11 Jahren!)
über den Feuerwerker beim Militär des Schwäbischen Kreises,
1806 zum Wasser-, Brücken- und Straßenbaudirektor in der
bayrischen Provinz Schwaben, dann 1811 als Ober-Wasser- und
Wegbauinspektor in Stuttgart, bis zum Oberbaurat im Jahre
1818 im württembergischen Donaukreis (u.a. als Stadtplaner in
Ulm), führte ihn sein interessanter Berufsweg. Sein Sohn Robert
Albin wurde am 12. September 1814 in Stuttgart geboren. Bis
zum Jahre 1828 besuchte dieser ein humanistisches Gymnasium.
Infolge familiärer Umstände, – die Eltern und Schwester
erkrankten, der Vater verstarb bereits im Jahre 1831, Schmalhans
war oftmals Küchenmeister – musste sich Robert einer
praktischen Berufsausbildung zuwenden. So absolvierte er eine
kaufmännische Lehre im Papiergeschäft der Firma Paul Schulz
in Stuttgart; anschließend war er Handlungsreisender für
Strickereien, danach Angestellter in einem Aachener Bankhaus,
Reisender bei der Champagnerfirma van der Keken, Kellerbeamter
der Firma de Müller & Co. Reims. Schließlich hatte er sich
hochgearbeitet in die hochdotierte Position als Prokurist und
Betriebsleiter des in jener Zeit ältesten und bekanntesten Champagnerhauses
Frankreichs, "Antoine Ruinart père et fils“ in
Reims. Eine ähnliche Position, wie sie seinerzeit der gebürtige
Heilbronner Georg Christian Kessler (er hatte 1826 in Esslingen
am Neckar die erste "Neckarchampagnerfabrikation“ in Deutschland
begonnen) beim Champagnerhaus "Veuve Clicquot Ponsardin“
in Reims innehatte.
Im Juli 1841 begegnete Robert Schlumberger bei einer
Schiffsreise auf dem Rhein der Wienerin Sophie Kirchner, der
ältesten Tochter des Metallknöpfe-Fabrikanten Heinrich David
Kirchner, der selbst aus einer Pfälzer Winzerfamilie stammte. Im
Frühjahr 1842 hielt Schlumberger um die Hand der Tochter an
und verlobte sich mit ihr.

Nun, die Liebe obsiegte über materielle Vorteile; auf Wunsch
seiner Braut und deren Eltern sollte Robert von Reims in der
Champagne in die Donaumetropole Österreichs, nach Wien,
übersiedeln.
Mit Unterstützung seines Schwiegervaters in spe mietete
Robert Schlumberger bereits 1842 im 19. Bezirk von Wien, in der
Langegasse der Josephvorstadt, ein Kellerlokal und experimentierte
dort mit einfachen Landweinen aus verschiedenen niederösterreichischen
Weingebieten an der Herstellung von Schaumwein
nach der in der Champagne erlernten und praktizierten
Technik bzw. Ausbaumethode. Immerhin waren es auf Anhieb
etwa 10.000 Flaschen "moussierenden österreichischen Weines“,
die er dort mit nur einem einzigen Mitarbeiter ausbaute. Dies war
die Geburtsstunde, der Grundstein für die älteste Sekt- und
Schaumweinproduktion in Österreich. Seine ersten positiven
Erfahrungen eines Eignungstestes mit Grundweinen zur
Schaumweinherstellung machte Schlumberger hier mit dem
Blauen Portugieser, den er aus Vöslau und Umgebung bezog.
Diese Tatsache war mit ausschlaggebend, daß Robert und
Sophie Schlumberger – sie heirateten im Juni 1843 in Wien –
sich im Spätsommer desselben Jahres für einen Ortswechsel von
Wien nach Vöslau entschieden. Sie konnten dort das Gräflich-
Fries’sche Försterhaus im Maithale beziehen, das zusammen mit
dem in den Fels gehauenen, ehemaligen Zehntkeltergebäude auf
20 Jahre gepachtet werden konnte. Gleichzeitig erwarb Schlumberger
die ersten Rebflächen in der Riede "Goldeggen“ – heute
"Goldeck“, in den nachfolgenden Jahren auch noch in den Lagen
Hopfenberg, Bergauern und Görn.
1852 wird mit dem Bau eines großen, mehrfach erweiterten
Gebäudes auf "Goldeck“ – dem "Land Orplid“ – begonnen, das am
1. Mai 1854 fertiggestellt wurde; 1854 wird dann noch ein Presshaus
erstellt. Das erforderliche Grundstück hierzu, das als ein
fruchtbares Heideland bezeichnet wurde, war eine Schenkung
von Graf Moritz Fries an die Schlumbergers.
Wie Regierungslandwirtschaftsdirektor Dr. Fritz Schumann
von der Landes-Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft,
Weinbau und Gartenbau in Neustadt an der Weinstraße recherchierte,
berichtete der damalige Bürgermeister von Gumpoldskirchen,
in Österreich, Johann Baumann, in einer weinbaulichen
Expertise aus dem Jahre 1856:
" ... bereits im Jahre 1772 eröffnete Kommerzienrat und
Hofrat, Johann Freiherr von Fries den angesehenen Untertanen
von Fesselau, daß er ihnen auf Anraten seines portugiesischen
Agenten bündelweise Schnittlinge übergeben werde, um die vorzügliche
blaue Rebsorte aus Oporto in Portugal nunmehr auch
in Vöslau einzubürgern und sie hier zu einer eigenständigen
österreichischen Rebengattung zu entwickeln“.
Die "Portugieserrebe“ – "Oportorebe“ – "Vöslauerrebe“, wurde
dann um 1840 von dem Rebschulbesitzer und Apotheker Johann
Philipp Bronner in Wiesloch (Baden-Kraichgau) übernommen
und von dort aus in Deutschland verbreitet.
Außer der bereits erwähnten "Vöslauer-Portugieserrebe“ war
ebenfalls die "Blaufränkische Rebsorte“ – gelegentlich als "Mährische
Rebe“ bezeichnet – im Gebiet von Vöslau bodenständig. Von
letzterer geht die Legende aus, daß sie der Herzog Franz Stephan
von Lothringen im Jahre 1735 nach Österreich gebracht haben
soll. In Erinnerung an das "französische Mitbringsel“ würde die
blaufränkische Traube in der dortigen Gegend fälschlicherweise
auch als "Burgunder“ bezeichnet; eine Bezeichnung, die sich
ebenfalls in einigen Weinbauregionen Ungarns bis in unsere Tage
erhalten hat, dort "Großburgunder“ genannt. Der korrekte ungarische
Name lautet "Kékfrancos“ (für Blaufränkisch).
Aber auch der eigentliche Weinbau kam nicht zu kurz bei den
Schlumbergers. So werden zum Teil noch heute aus eigenen Rebflächen
die Rotweinsorten Vöslauer (als Portugieser), Vöslauer
Blaufränkisch oder rote Cuvées mit der Bezeichnung "Goldeck“
als Spitzenweine ausgebaut. Und so "nebenbei“ entwickelte sich
der als liberal denkende und handelnde, von seiner Abstammung
her als schwäbischer Tüftler geltende Robert Schlumberger aufgrund
seiner oenologischen Fähigkeiten zu einem anerkannten,
avantgardistischen Weinbau- und Rebenfachmann in seiner
Wahlheimat Österreich. In diesem Zusammenhang ist neben den
Versuchsweinbergen auch die kleine Rebschule mit Schnittgarten
zu erwähnen, die er ebenfalls in Vöslau unterhielt – dort
hauptsächlich für die Portugieser- und Lembergerreben.
König Wilhelm I. von Württemberg ehrte den Ex-Stuttgarter
am 20. Mai 1860 mit dem Ritterkreuz des Friedrichsordens.
Aufgrund seiner unumstrittenen Verdienste um die positive
Entwicklung des Weinbaus in Österreich – er war u.a. Mitglied
der k.k. Landwirtschafts-Gesellschaft und der Handels- und Gewerbekammer
in Wien - erhielt Robert Schlumberger im Jahre
1878 den erblichen Adelstitel Österreichs "Edler von Goldeck“.
Seine Beliebtheit bei den Bürgern Vöslaus zeigte sich in der Wahl
von Kommerzienrat Robert Schlumberger zum Bürgermeister
der Stadtgemeinde Vöslau von 1864 bis 1870. Mitten in den Vorbereitungen
für den II. österreichischen Weinbau-Congress 1879
in Wien starb Robert Schlumberger 65-jährig, am 13. Juli 1879 in
Vöslau.
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