Heutzutage sehen viele Weinzähne im Lemberger ein spezifisches
Markenzeichen Württembergs. Als ein Aushängeschild heimischer
Kreszenzen gilt er unumstritten als die Nummer 1 der Rotgewächse
im Lande.
Interessant ist auch die Zunahme der bestockten Rebfläche
mit der Spitzensorte in den zurückliegenden Jahren bis dato:
1964: ca. 350 Hektar mit Lemberger
1975: ca. 395 Hektar mit Lemberger
1991: ca. 766 Hektar mit Lemberger
1995: ca. 919 Hektar mit Lemberger
1999: ca.1002 Hektar mit Lemberger = ca. 10,0% der Gesamtrebfläche
in Württemberg.
Besonders das Zabergäu, wo Theodor Heuss als gebürtiger
Brackenheimer zuhause war, sowie das Enztal, der Stromberg und
das Weinsberger Tal sind die wichtigsten Zentren für diese Rebsorte.
Es kommt daher nicht von ungefähr, daß der Weinkenner, Doktorand
(1905: "Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn a.
Neckar“) und frühere Bundespräsident Professor Dr. Theodor
Heuss den Lemberger als seinen Lieblingswein bevorzugte.
Kein Geringerer als der englische Weinkritiker Stuart Pigott
führte mit der "Heilbronner Stimme“ ein Interview, das am 2.
Oktober 1999 veröffentlicht wurde. Hierin heißt es u.a.:
HSt.: "Die Paradesorte in Württemberg ist eigentlich der Lemberger.
Wie würden Sie den perfekten Lemberger in Worte fassen?“
Pigott: "Ungefähr so, ein Wein mit großen Freitreppen, Reihen
von Säulen und in Stein gemeißelte Helden, die in die Ewigkeit
zu reiten scheinen. Nach diesem perfekten Lemberger sehne ich
mich. Aber es gibt ihn nicht, es gibt ihn nicht annähernd. Hier
und da deuten ein paar Weine darauf hin, was möglich ist. Deshalb
rufe ich die Wengerter auf, nicht müde zu werden. Denn,
wenn der wahre Lemberger kommt, dann wird er nicht nur mich
überraschen und auch nicht nur die deutschen Kollegen, dann
überrascht er die Weinwelt.“
Die Lembergerrebe stellt
etwas größere Ansprüche an
Boden, Lage und Klima als
sein oftmaliger "Verschnittpartner“
Trollinger. Tiefe,
fruchtbare Lößlehmböden,
Keuperverwitterungsböden,
aber auch der zerklüftete
Muschelkalk lassen ihn zu
einem der typischen württembergischen
Spitzen-Rotwein
heranwachsen. Vom tiefen
Rubinrot bis hin zu einem
violetten Blaustich reicht die Farbskala des feinfruchtigen
Lemberger; bei entsprechender
Vollreife an Waldbeeren,
Brombeeren oder schwarze Johannisbeeren erinnernd. Seine
ansprechende Rotweinwärme und Rotweinfülle, mit leicht
adstringierendem Gerbstoff, ergeben eine begeisternde verflüssigte
Komposition – ein Wein der alten Schule im modernen
Gewand – ein Wein, der nicht satt macht, ein Wein, mit dem Sie
sich auch alleine unterhalten können.
Der schwäbische Lemberger darf ruhig ein paar Jahre gelagert
werden, bevor er als Begleiter zu einem guten Essen oder bei
einer anderen angenehmen Gelegenheit verkostet wird. Sicher,
wer etwas Weiches oder Mildes sucht, wählt sich nicht unbedingt
den Lembergerwein als Partner aus. Wer in sich hineinhorchen,
über sich und die Welt nachdenken möchte, aber auch, wer lange
seine Freude an ihm haben will, verehrt ihn, denn überdurchschnittliche
Jahrgänge behalten viele Jahre die Kraft ihrer
Jugend.
Der von Hause aus kräftige Lemberger eignet sich vor allem
auch zum Ausbau im 225-Liter-Barrique-Eichenholzfaß. Die
Nobelrebsorte mit feinherber Frucht – derzeit fast (noch) ausschließlich
in Württemberg im Anbau – braucht den Vergleich
mit Weinen benachbarter Regionen durchaus nicht zu scheuen.
Die Württemberger wissen, wie vorzüglich sich ihr Lemberger
darstellt.
Trotz aller Unzufriedenheit über die vorliegenden Untersuchungen
und wenn diese Arbeit somit auch nur als eine Art Zwischenbilanz
anzusehen ist, so kann sie vielleicht eines Tages dazu
beitragen, daß das "Geheimnis“ gelüftet wird – dann hätten sich
die jetzigen Nachforschungen doch gelohnt.
"So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig;
man muß sie für fertig erklären,
wenn man nach Zeiten und Umständen
das Mögliche getan hat!“
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