Kurt M. Hofmann (1970) in "Weinkunde in Stichworten“ nennt
die Rebe Lemberger (Limberger) und berichtet, daß die Heimat
vermutlich in den Donauländern (Lemberg in Kroatien) liege. Er
schreibt weiter:
" ... Sucht man nach dem vorgenannten Ort "Lemberg in
Kroatien“, so kommt man zu folgendem Ergebnis: Im alten
Österreich-Ungarn gab es mehrere Orte dieses Namens, u.a. ein
Dorf Lemberg (mit Weinbau) in der Untersteiermark in der Nähe
der Städte Pettau und Cilli. Der Ort wurde nach dem Ersten Weltkrieg
in das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen eingegliedert,
später, ab 1944, lag der Ort politisch bedingt in der
Volksrepublik Jugoslawien und heute gehört er zur selbständigen
Republik Slowenien (südlich von Maribo). Daß aus dem Gebiet
der Untersteiermark Reben exportiert wurden, ist sicher. Noch
1877 offerierte eine niederösterreichische Privatrebschule "Blaufränkische“
(Luttenberger Satz).“
1974 erschien in der 3. Auflage das "Taschenbuch der Rebsorten“
von Walter Hillebrand folgende Abhandlung:
"Herkunft: Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts läßt sich
der Limberger in Österreich nachweisen, ohne daß es gelungen
wäre, seine Urheimat aufzufinden. Ob diese die Umgebung von
Wien ist oder Lemberg in Kroatien, kann man nicht feststellen.
Hermann Goethe berichtet, daß ein Weingutsbesitzer und Weinhändler
aus Bad Vöslau (zwischen Wien und Wiener Neustadt),
Robert Schlumberger, für seine Verbreitung gesorgt habe. Im
Weinbaulexikon wird die Vermutung ausgesprochen, daß der
Name Limberger auf einen Rebschulbesitzer zurückzuführen sei,
der die Sorte in den Handel gebracht habe. Ruckenbauer und
Traxler sprechen die Vermutung aus, daß es sich um eine positive
Selektion aus bodenständigen Rotweinsorten handele, die unter
Karl dem Großen (742–814) durchgeführt wurde. Andererseits
glaubt man aber auch, daß die Bezeichnung "Blaufränkisch“ auf
eine Herkunft aus Franken hinweisen könnte. Diese Vermutung
ist von den Klimaansprüchen der Sorte her nicht zu untermauern.
Deutschland hat die Sorte sicher aus Österreich erhalten“.
" ... Die von der internationalen ampelographischen Kommission
in Colmar 1875 festgesetzte Bezeichnung "Blaufränkisch“
hat sich in Deutschland nicht durchgesetzt ...“
Harry George schreibt in "Ein Österreicher in Württemberg“
in der Fachzeitschrift "Selektion“ im November 1994:
"Der Lemberger“.
" ... Lemberger lautet der Name einer Rebsorte, die sowohl in
Deutschland, als auch in ihrer hauptsächlichen Heimat Österreich
– dort heißt sie Blaufränkisch – zu den besten Rotweinsorten
zählt. Bekanntlich tragen fast sämtliche Rotweine den Vornamen
"Blauer“ und so lautet auch der vollständige Name Blauer
Lemberger. Auch die Schreibweise Limberger ist gesetzlich erlaubt,
aber selten.
Wo liegt Lemberg? Wo der Name Lemberger herkommt, ist
leider nicht zu eruieren. Auch die Familie der Grafen von Neipperg,
die diese Sorte in Deutschland eingeführt hat, kann dazu
keine verläßliche Auskunft mehr geben. Sicher ist nur, daß die
Rebsorte aus Österreich stammt.
Die Stadt Lemberg in der Ukraine dürfte wohl als Pate ausscheiden,
dort gab und gibt es keine Reben. In Kroatien gibt es einen Ort
Lemberg, der eher als Namensgeber in Frage käme, wächst doch
in Kroatien Wein. Zudem gehörte Kroatien einmal zum Einflußbereich
Österreichs. Nur, in Österreich heißt diese Sorte bekanntlich
Blaufränkisch. Dieser Name hängt wohl mit der früher einmal
üblichen Einteilung in "fränkisch“ (bedeutet besser) und "hunnisch“
(steht für minderwertige Sorten) zusammen. Der Blaue
Fränkisch zählte unter den Rotweinsorten zu den besseren ...“
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