Kommen wir wieder zurück ins Schwabeländle. Dem Rechenschaftsbericht
der "Gesellschaft für die Weinverbesserung in
Württemberg“ vom 7. Juni 1863 ist zu entnehmen:
" ... außer diesen Reben kamen noch 10.000 Portugieser
Schnittlinge zur Verteilung, welche ein Landsmann, Gutsbesitzer
Robert Schlumberger in Vöslau bei Wien, uns zum Geschenk
machte. Schon in den vergangenen Jahren hat derselbe in gleicher
Weise unseren Verein und andere Weinbergbesitzer mit dieser
gesuchten Rebsorte in uneigennütziger Weise versehen und
durch mündliche, wie schriftliche Mitteilungen sein Interesse an
dem vaterländischen Weinbau, sowie seine Anhänglichkeit an
sein Heimatland kundgegeben. Wir stellen daher den Antrag,
denselben in dankbarer Erinnerung der uns und unserer Sache
erwiesenen Dienste als Ehrenmitglied in unserer Gesellschaft
aufzunehmen und ihm mit dem Diplom hierüber einige Proben
unserer Weinerzeugnisse zuzusenden“
Cameralverwalter und Ausschußmitglied Immanuel Dornfeld aus
Weinsberg berichtet 1865 zu ersten Mal, daß im Raum Stuttgart,
in Winnenden und Untertürkheim, "neuerlich auch Portugieser
und Lemberger gepflanzt würden“. Mit Datum vom 4. November
1866 wird im Rechenschaftsbericht der Weinverbesserungsgesellschaft
erstmals die Lieferung von Lembergerschnittlingen angegeben.
" ... die Anschaffung von edlen Reben erstreckte sich, wie im
vorigen Jahr, auf blaue Clevner, den blauen Arbst, die Bodenseetraube,
den weißen Riesling, weißen Burgunder und Krachmostgutedel;
sodann werden diesen Sorten noch der Lemberger und
der Blaue Portugieser zugefügt“.
1870 wird im Vereinsausschuß vermerkt, daß man beim Limberger
Erfahrungen bei den Mitgliedern sammeln wolle;
" ... so ersuchen wir Sie, uns hierbei zu unterstützen und über
den Erfolg der Anpflanzungen Mitteilung zu machen“.
Von 1866 bis 1871 waren es knapp 200.000 importierte Lembergerschnittlinge,
die in folgenden Oberämtern des Landes von der
"Gesellschaft für die Weinverbesserung in Württemberg“ an die
Weingärtner verteilt wurden:
O.A. Besigheim, O.A. Brackenheim, O.A. Cannstatt, O.A. Marbach,
O.A. Maulbronn, O.A. Neckarsulm, O.A. Nürtingen, Bezirk
Stuttgart, O.A. Waiblingen, O.A. Weinsberg.
Im Jahre 1871 wird im Ausschuss der Weinverbesserungs-Gesellschaft
vermerkt, " ... daß die Lieferung der Schnittlinge aus Vöslau
den Württembergern zum Geschenk gemacht worden sei,
worüber ihm (Robert Schlumberger) die Gesellschaft ihren Dank
ausspreche“. Wie schnell sich Meinungen – auch unter Fachleuten
– ändern können, zeigte sich bereits bei der Ausschusssitzung
der Vereinsoberen am 25. Mai 1873:
" ... man werde die Limbergerrebe nicht mehr in die Liste der
von der Gesellschaft anzuschaffenden Reben aufnehmen, da
gegen deren besondere Empfehlung unserer Weine nicht viel beizutragen
im Stande sei, daß sie den Mangel an Qualität durch die
Quantität zu ersetzen vermöge“.
Ja, diese nüchterne Feststellung bedeutete zunächst das Aus für
eine weitere Empfehlung bzw. Neuanpflanzung von Lembergerreben
Ende des letzten Jahrhunderts durch die "Gesellschaft für
die Weinverbesserung in Württemberg“.
Allen damaligen Unkenrufen zum Trotz hat sich der Blaue
Lemberger, alias Blaufränkisch, in der schwäbischen Rebenlandschaft
doch gehalten und durchgesetzt. Er wurde speziell nach
dem Zweiten Weltkrieg durch entsprechende Klonenzüchtungen
zu einem Klassiker unter den württembergischen Rotweinen;
ohne ihn wäre die Weinkarte Württembergs einfach unvollständig.
Auch im internationalen Reigen bekannter, hochwertiger
Rotgewächse braucht sich der mittlerweile im Anbaugebiet Württemberg
heimisch gewordene Lemberger nicht zu verstecken –
"ein Wein der alten Schule in modernem Gewand“.
Es ist sicher kein Geheimnis, daß Professor Dr. Theodor Heuss,
ein Sohn der heutigen "Lemberger-Metropole Brackenheim im
Zabergäu“, ein großer Verehrer des Lembergerweines war; sicher
kein schlechtes Omen für diese uns heute so wertvolle Rebsorte.

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