Verein zur Förderung der Lemberger Kultur e.V.
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Kuriositäten über die Herkunft des Lembergers

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Die Heimatstadt des Autors – Vaihingen a. d. Enz in Württemberg – hat seit 1987 eine Partnerschaft mit der Stadt Köszeg (Güns) in Westungarn, an der Grenze zum österreichischen Burgenland. Die Stadt Köszeg begeht seit über 255 Jahren jeweils am 24. April – dem heiligen Georg, einem der 14 Nothelfer, geweiht – ihr traditionelles „Weintriebefest“, wobei jeweils einige Rebschnittlinge aus den heimischen Rebgärten an diesem Tage in ein besonderes Buch – dem „Buch des Rebenaustriebes“ – eingezeichnet werden.

Vom Köszeger Stadtarchiv wird dazu berichtet, daß die erste namentliche Benennung einer Rebsorte 1806 erfolgt sei: “ … Der echte Günser Wein ist der Blaufränkische mit einer anderen Bezeichnung „Burgunder“. Dies weist darauf hin, daß der Blaufränkische aus dem Burgunder stammt.“

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Vorher und danach wurde bei den jährlichen Einzeichnungen lediglich „Weiß- oder Schwarztraube“ vermerkt, also keine Angabe einer Rebsorte. Erst 1885 wurde ein gezeichneter Austrieb als „Burgunderrebe“ bezeichnet.

Hier noch ein paar „spektakuläre Spekulationen“ um die Namensdeutung der Lemberger-Limberger-Rebe:

Nicht uninteressant ist die Story aus Köszeg in Ungarn über den Namen „Blaufränkisch“. Zur Zeit der Kämpfe Napoleons gegen Rußland waren auch französische Soldaten im ungarischen Köszeg stationiert, die eine bestimmte Rotweinsorte besonders gerne verkosteten und dafür viel französisches Geld in Scheinen, den „blauen Franken“, ausgaben. Seitdem wird diese Rebsorte „Blaufränkisch“ genannt.

Auf einem aktuellen Weinflaschenetikett eines „Kékfrankos- Weins“ (Blaufränkischen) von 1995 aus Sopron (Ungarn) ist folgende Bemerkung aufgedruckt (Übersetzung): „Dieser, unser Rotwein entspricht in der Qualität dem, was dem früher unter dem Namen „Großburgunder“ in Umlauf gebrachten, sehr populären Erzeugnis entspricht. Der heimischen Praxis entsprechend haben auch wir die Blaufränkische Sorte irrtümlich als „Nagyburgundi“ bezeichnet. Wegen der fortschreitenden Rücksichtnahme auf die Gesetze des gemeinsamen Marktes bieten wir ihnen statt dem „Großburgunder“ unter dem Namen „Blaufränkisch“ dieses großartige Erzeugnis in unveränderter Qualität an.“ Franz Schuster aus Zagersdorf im österreichischen Burgenland, Dozent an der Weinbauschule in Eisenstadt, sinniert in einem persönlichen Gespräch, ob die Lembergerrebe wohl ihren Namen von den „lehmigen Böden“ haben könne, auf denen sie oft steht und gut gedeiht?

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Dr. Hans Ambrosi, der frühere Direktor der Hessischen Staatsweingüter in Eltville-Rheingau und Autor einer Reihe von Weinbüchern schreibt 1994 im „Farbatlas der Rebsorten“ u. a. über den Limberger:

“ … deutsche Bezeichnung Limberger, nicht ableitbar, denkbar wäre Verstümmelung von Schlumberger beim Rebenbezug“. Dr. Dietmar Rupp von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg hat 1996 folgenden Gedanken über die Herkunft des Lembergers in Württemberg eingebracht: „These über das Einwandern des Lembergers“:

1. Import durch Bronner (vor Schlumberger) vor 1845

2. Weitergabe an von Gok in Stuttgart ca. 1850

3. Verbreitung über Nordbaden ab ca. 1860 nach dem Zabergäu

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