Verein zur Förderung der Lemberger Kultur e.V.
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Die Meinung der Österreicher über den Blaufränkischen ( 3 / 3 )

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Wer war eigentlich bei dieser Sitzung zugegen? Als Vertreter des Großherzogtums Baden: Dr.A.Blankenhorn aus Karlsruhe, Carl Bronner sen. und jun. aus Wiesloch, E. Wagenmann aus Karlsruhe. Für das Königreich Bayern: Sebastian Englerth aus Randersacker. Für das deutsche Reichsland Elsaß-Lothringen: Rudolf Goethe aus Brumath und Christian Oberlin aus Bebenheim. Für das Großherzogtum Hessen: Baron Dael von Koeth aus Sorgenloch bei Mainz. Für das Königreich Italien: B. Cerletti aus Gattinara. Für die Schweiz: Obergärtner Kraft aus Schaffhausen. Für die Steiermark: Hermann Goethe aus Marburg a.d. Drau. Für Tirol: E. Mach aus St. Michele. Es waren somit acht Weinländer durch 22 Mitglieder vertreten.

Die Bezeichnung des Blaufränkischen in Deutschland als „Blauer Limberger“, manchmal auch „Lemberger“. dürfte aus dem Handel mit dem Wein aus den Herkunftsgebieten dieser Sorte entstanden sein. Er kann durchaus aus Lemberg gekommen sein, aber auch aus Limberg in Niederösterreich im Süden des Weinbaugebietes Retz. Die Gegend um Limberg war vor der Reblausinvasion ein bedeutendes Rotweingebiet. Kaiser Ferdinand, der Onkel des späteren Kaisers Franz Josef, bezog für die Hoftafel aus Limberg den Blaufränkischen, der auch als Limberger bezeichnet wurde …“

1992 erschien ein Beitrag von Wolfgang Dähnhard im „Atlas der österreichischen Weine“; hieraus ein Auszug:

„Blaufränkisch“

Diese in Deutschland „Lemberger“ genannte Sorte ist vor allem in Österreich beheimatet. Sie ist überwiegend im Burgenland ausgepflanzt, das Mittelburgenland nennt sich auch „Blaufränkischland“. Woher die Blaufränkisch-Rebe kam, liegt im dunkeln. Sicher ist nur, daß sie seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Österreich angebaut wird. Sie ist nicht ident mit der französischen Sorte „Gamay“ (Beaujolais), was immer wieder behauptet wird: in Bulgarien wird der Blaufränkisch als „Gamé“ bezeichnet. Vermutlich entwickelte sich der Blaufränkisch aus einer von Karl dem Großen Ende des 8. Jahrhunderts angeordneten Selektionierung der Rebsorten. Weine aus der kleinbeerigen Spielart, die in älteren Weingärten zu finden ist, können degustatorisch Ähnlichkeiten mit der Burgunderfamilie haben, auch wenn ein ampelographischer Zusammenhang nicht nachzuweisen ist. „Großer Burgunder“ ist als alte Bezeichnung in Ungarn und in den burgenländischen Grenzgebieten verwendet worden. Weine aus der großbeerigen Variante hingegen weisen einen eher rustikalen Charakter auf“.

Im „Gastwirt“ 10/95 – einer österreichischen Fachzeitschrift – meint Walter Kutscher:

“ … Eine Rebsorte hat meist erst dann vor den gestrengen Augen der önologischen Fachleute Qualitätsberechtigung, wenn die ampelographischen Wurzeln ihres Stammbaums mindestens einige hundert Jahre zurückreichen. Da genügt es eben nicht, daß unser Blaufränkisch erst seit dem 18. Jahrhundert belegbar ist, da mußte doch mehr herauszuholen sein. Und die Story klingt doch wirklich überzeugend: Karl der Große, ein echter Förderer des damaligen Weinbaus (8./9.Jahrhundert), ließ alle edlen Rebsorten selektionieren und mit dem Beinamen „fränkisch“ bezeichnen. Warum soll nicht auch dem Namen „Blaufränkisch“ diese Theorie zugrunde liegen?

Bewiesenermaßen tauchte der Blaufränkisch im Raum Vöslau (Niederösterreich) im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts auf. Von dort trat er seine Verbreitung in viele Teile der österreich- ungarischen Kronländer an und gelangte somit auch nach Kroatien und Ungarn, aber ebenso nach Württemberg, wo er die Bezeichnung Limberger bzw. Lemberger erhielt. Bei uns war lange Zeit das Synonym Groß-Burgunder geläufig, bis 1875 die Ampelographische Commission den Hauptnamen Blaufränkisch fixierte …“

Am 2.9.1997 schreibt das Landesarchiv der Burgenländischen Landesregierung in Eisenstadt, daß “ … die Rebsorte Blaufränkisch im Jahre 1847 im burgenländischen- westungarischen Raum bereits heimisch war, da sie im Verzeichnis jener Weinstöcke, welche in beiden Ödenburger Rebschulen bereits vergriffen waren, als „Blaue Frankenthaler“ angeführt wurden.

Andererseits muß bemerkt werden, daß im burgenländischwestungarischen Raum die Sorte Blaufränkisch ursprünglich unter dem volkstümlichen Namen „Burgunder“ geführt wurde. Dieser Burgunder wurde im burgenländisch-westungarischen Raum um 1800 heimisch, wie zwei Belege zeigen. Im Jahre 1801 wird von einem fürstlich Esterhazy’schen Weingarten in Deutschkreutz (Bezirk Oberpullendorf, Mittelburgenland) berichtet, daß er einen schlechten Boden habe, dennoch aber „guthen rothen Burgunderwein“ liefere.

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Die Einführung der Sorte Blaufränkisch in weiten Teilen des burgenländisch-westungarischen Weinbaugebietes dürfte daher mit der Experimentierfreude der städtisch-ödenburgischen und der fürstlich Esterhazyschen Weinwirtschaft nach Krisenerscheinungen im Weinbau dieses Gebietes (u.a. auch eine Sortendegeneration) nach 1750 im Zusammenhang stehen.“

In dem französischen Standardwerk von P.Viala und V.Vermorel, der 1902 veröffentlichten Ampelographie „Traité Général de Viticulture“ werden einige Passagen daraus in der deutschen Übersetzung zitiert.

„Der Lemberger“

… der Lemberger ist eine Rebsorte, deren Herkunft unklar ist. Pulliat setzt voraus, ohne es zu beweisen, daß es sich um den Namen seines Züchters bzw. Verbreiters handelt. Herr Schoffer, der Leiter der Weinbauschule in Weinsberg (Württemberg), vermutet, daß er in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus seiner Heimat bei Wien gekommen ist. Der Name Blaufränkisch, den er in dieser Gegend und in Kroatien trägt, ist wiederum ein Beweis, daß er als Wein deutscher Herkunft angesehen wird. Genauso könnten wir behaupten, daß sein Name Lemberger eine galizische Herkunft an den Tag legt (von Lemberg, der kroatischen Hauptstadt). Richtig ist, daß diese Sorte erst seit etwa 50 Jahren verbreitet wurde, zuerst in Deutschland und Österreich, dann im Elsaß und Frankreich, ohne die ursprüngliche Herkunft richtig unterscheiden zu können. In Frankreich ist man der Meinung, daß es sich um eine elsäßische Sorte handelt. Das ist ein Irrtum, denn laut Oberlin ist der Limberger in dieser Gegend erst seit 20 bis 25 Jahren bekannt und wenig verbreitet. Ein Beweis dafür ist die Nichterwähnung von Stoltz, dem Autor der „Rheinischen Ampelographie“ (1852) dieser interessanten Sorte. 1875 übernahm die internationale ampelographische Kommission bei der Tagung in Colmar den Namen „Blaufränkisch“. Diese Bezeichnung, die einfach aus der deutschen Mehrheit in der Kommission stammte, scheint uns dennoch wegen der Ungewißheit über die Herkunft dieser Sorte nicht annehmbar. Der von Single angenommene Name Limberger scheint uns, um Verwechslungen aus dem Weg zu gehen, besser geeignet als vage Bezeichnungen …

In Frankreich begann der Limberger sich erst vor etwa 20 Jahren zu verbreiten und wurde dabei mit dem „Blauen Portugieser“ verwechselt, der ihm oberflächlich ähnelt. Daher kommen die irreführenden Namen „Portugieser Leroux“ (nach dem Namen des Inhabers einer Baumschule) und „Roter Portugieser“, der bei vielen Liebhabern bekannt waren. Nach unserer eigenen Untersuchung kam der Limberger auf dem selben Wege nach Frankreich wie die deutsch-österreichischen Hauptrebarten (Portugieser, Saint-Laurent, Lasca, Sylvaner, Veltliner, usw.). Anscheinend kam er aus den berühmten Baumschulen, die 1818 von den Gebrüdern Baumann in Bollwiller (Bas-Rhin) gegründet wurden und die vor etwa 20 Jahren zerstört wurden, als die Phylloxera sich zum ersten Mal im Elsass verbreitete. Aus diesen Baumschulen und auch aus Wien bekamen Odart und seine Rivalen aus Dijon, Malnoury und Demerméty,die meisten ausländischen Sorten, die sie untersuchten. Demerméty, der in unserer Nähe in Pont-Bernard, Kreis Potailler-sur-Saône, eine Sammlung von über 600 Sorten zusammengestellt hatte, hatte sich nach zahlreichen Versuchen für die Verbreitung der rheinischen Sorten entschieden. Dieser Meinung teilte anscheinend auch Malnoury, dessen Sammlung aus Fontaisnes-les-Dijon seit 1878 nicht mehr existiert. Neben dem Saint-Laurent hatte er nämlich auch den Limberger, den Veltliner und einige andere Sorten in seiner Weingegend verbreitet. So konnte uns neulich Herr Castille-Huret, der berühmte Winzer aus Dijon, einen kleinen Anbau in einem seiner Weinberge zeigen, wo der Limberger in der Mehrheit war und dessen Ableger aus Überresten der Malnoury-Sammlung stammte. Herr Girerd, der ihn irrtümlicherweise als „roter Portugieser“ bezeichnet, erklärt auch, daß er ihn aus der Baumann-Sammlung vor deren Zerstörung bekommen hat. Der Limberger ging also von Sammlung zu Sammlung und wurde unter unterschiedlichen Namen verkauft, bis er mit aus dem Elsass stammenden neuen Ablegern verglichen werden konnte, um seine Identität zu überprüfen. Er ist auch im Elsass in den roten Weinbergen um Thann und Guebwiller sowie in der Schweiz am Rhein, um Zürich und am Bodensee zu finden. Im Gegensatz dazu ist er im Norden weniger geschätzt. Herr F. Buhl erzählt nämlich, daß das Landwirtschaftsamt des Kreises von Neustadt sur Hardt die Einführung von Ablegern nicht zugelassen hat. Er war der Meinung, daß die Qualität schlecht sei. Bei uns wird der Limberger versuchsweise angebaut, vor allem in den Gegenden, wo der blaue Portugieser auf einer großen Ebene experimentiert wurde wie zum Beispiel im Maconnais und Savoie. Das Departement Puy-de-Dome ist das einzige Gebiet, wo der Anbau des Limbergers richtig durchgeführt wurde. Dort versucht seit einigen Jahren Herr Ed. Goutay, Besitzer in Joze, den Limberger in dem Umkreis zu verbreiten, nachdem er seine Eigenschaften unter den klimatischen Bedingungen dieser Gegend getestet hatte.

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Außerdem äußert H. Goethe die Meinung, daß der Limberger der Coussitraube (Quercy) unserer Cot oder Malbeck gleichgestellt werden kann. Es handelt sich hier um ein Irrtum, denn diese beiden Sorten sind in jeder Hinsicht völlig unterschiedlich.“ 1957 erschien im Heimatbuch der Stadtgemeinde Bad Vöslau ein Beitrag von Dr. Robert Schlumberger, eine sehr gut ausgearbeitete Studie über die Geschichte des Weinbaus in Bad Vöslau – leider enthält sie aber keinerlei Hinweise auf den Blaufränkischen. Robert Schlumberger schrieb

„Vom Weinbau“

… außer der schon erwähnten Portugieser-Vöslauer Rotweintraube war in Vöslau noch die Limbergerrebe, auch Blaufränkisch oder Mährisch geheißen, bodenständig. Von ihr geht die Mär aus, der Herzog von Lothringen hätte sie nach Österreich gebracht; wohl in Erinnerung daran, wurde sie auch bis Mitte des 19. Jahrhunderts in jener Gegend fälschlich als Burgunder angesprochen, eine Benennung, die sich übrigens bis in die jetzigen Tage in Ungarn erhalten hat, wo sie gewöhnlich als „Großburgunder“ bezeichnet wird. Über das Entstehen des Namens „Limberger“ waren sich die Fachleute niemals einig; er ist bis heute ungeklärt …“

1989 berichtet Hugh Johnson in seiner „Wein-Geschichte“: „Zinfandel. … der Zinfandel ist jedenfalls eine hervorragende Rotweintraube für Kalifornien. Gegen Ende der 1960er Jahre wurde der Zinfandel von Dr. Austin Goheen als dieselbe Rebsorte wie der in Apulien in Süditalien angebaute Primitivo di Giola identifiziert…es erhebt sich die Frage, wie diese Rebe aus Ungarn, wo sie nicht angebaut wird, an die Rebschule Prince’s gelangt sein soll. Der amerikanische Gelehrte Miles Lambert Gosz argumentiert, daß im 19. Jahrhundert eine ungarische Rebschule diese Sorte, die ja auch nicht ursprünglich aus Apulien stammt, durchaus in ihren Beständen gehabt haben könnte. Damals gehörte zum Kaiserreich Österreich-Ungarn auch Dalmatien an der Ostküste der Adria … den Namen erklärt Lambert- Gosz als eine auf Mißverständnis zurückzuführende Variante der Bezeichnung Zierfandler. … doch ist „Blauer Zierfandler“ ein Synonym für Kékfrankos, alias Blaufränkisch, Nagyburgundi und Limberger, der auch bei Sopron in Westungarn angebaut wurde …“

1981 wurde von Zoltan Halasz „Das Buch vom Ungarnwein“ veröffentlicht: „Einen neuen Auftrieb erhielt die wirtschaftliche Entwicklung nach dem sog. Ausgleich des Jahres 1867, der die Umwandlung des Habsburgerreiches in die dualistische Österreichisch-Ungarische Monarchie zur Folge hatte. Sie gewährleistete Ungarn im Rahmen des Staatenverbandes neue wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten. Im Zuge der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung wurden auch die Rebenzucht und die Weinbereitung modernisiert. Den ersten großen Aufschwung brachte die Befreiung der Bauern von den feudalen Abgabepflichten. Althergebrachte Produktionsmethoden auf neue, moderne umzustellen, war jederzeit ein schwieriges Unterfangen. Es bedurte eines ausdauernden Bemühens und aufmunternder Beispiele, um die Weinbauern eines Besseren zu belehren und mit zielgerechten Argumenten zu überzeugen.

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Mit der kulturellen Entwicklung der Stadt Sopron, die zu einem nicht geringen Teil den im 17. und 18. Jahrhundert aus Württemberg zugewanderten deutschen Siedlern zu verdanken war, hielt auch die Entwicklung im Weinbau und in der Weinbereitung Schritt. Die viel Zeit, Mühe und Sorgfalt erfordernde Rotweinbereitung nahm in Ungarn von den massiv gebauten Steinkellern der Soproner Patrizierhäuser ihren Ausgang.

1989 erschien das „Ungarische Weinbuch“ von Zoltan Halasz aus Budapest:

“ … Später brachten die Napoleonischen Kriege eine große landwirtschaftliche Konjunktur, die Weinproduktion nahm weiter zu und stieg bis auf 24 Millionen Eimer im Jahr. Im Zusammenhang mit Napoleon soll hier noch ein anderer Wein erwähnt werden: der Oedenburger Blaufränkische (Sopron Kékfrankos), den der Kaiser der Franzosen sehr gerne hatte und ihn einen der besten Rotweine Europas genannt haben soll …“ 1993 führt der Weinbuchautor Dr. Carlheinz Gräter in seinem Buch: „Württemberger Weine“ gleich mehrere Varianten und Versionen der Namensgebung über die Rebsorte Lemberger an. Einmal (auf Seite 116) meint der aus dem Taubertal stammende Schriftsteller, daß der Limberger irgendwann im 17. Jahrhundert (besonders im Bereich des Heuchelbergs) eingebürgert worden sei.

“ … Dem Namen nach ist es wohl ein verballhornter Lindenberger; die amtliche Schreibweise Lemberger ist jedenfalls grauslich, führt in das ukrainische Lemberg, wo man die Sorte nicht kennt…die früheste Erwähnung von „Limporger Gewächs“ fand Heuss um 1700 in einem Bericht des Heilbronner Ratsküfers“. Eine Begründung zur Verballhornung fehlt; aber was hat Theodor Heuss in seiner Dissertation von 1904/1905 tatsächlich geschrieben? Auf Seite 25 heißt es da:

“ …einen ziemlichen Teil brachte der Neckargartacher Zehent, den die Stadt besaß; es werden noch namentlich ,fleinemer und Limborger gewechs“ erwähnt’. Nach Meinung von Historikern kann der Lemberger-Limberger nicht mit dem „limborger gewechs“ gleichgesetzt werden; es sind hier zweifellos Orts- oder Gebietsbezeichnungen gemeint, und zwar Wein aus Flein, bzw. aus Limburg bei Großgartach, möglicherweise aber auch aus der Limpurger Grafschaft (zwischen Schwäbisch-Hall und Gaildorf). Letzterer Wein hatte nicht unbedingt einen besonders guten Ruf, er wurde gelegentlich als „saurer Kocherwein“ oder auch als „Drei-Männer-Wein“ bezeichnet. So musste 1647 die Freie Reichsstadt Schwäbisch Hall dem Haushofmeister des österreichischen Generals Klügen einen Wein liefern, der aber zunächst wegen seiner Säure abgelehnt wurde, weil er „ärger als Seewein (vom Bodensee)“ sei.

Theodor Heuss führt in seiner Doktorarbeit (Seite 84) alle Rebsorten auf, die früher in Heilbronn angebaut wurden und versucht dabei auch, die jeweilige Herkunft der Trauben anzugeben. Von der Existenz des Lembergers/Limbergers ist allerdings nichts erwähnt. 1996 schreibt Hans Zuckriegl aus Wien in seiner „Enzyklopädie des Weinbaus in Südmähren“ u.a.:

“ … der „gemischte Satz“, also das Aussetzen verschiedener Traubensorten in einem Weingarten, war lange Zeit die allgemeine Regel, von der es nur wenige Ausnahmen gegeben hat. In den bäuerlichen Weingärten fing man mit dem Aussetzen „reiner Sätze“ erst mit dem Beginn des 20.Jahrhunderts an, und da erst nach langem Zögern … Kaiser Josef II. hob 1781 die Folter- und Leibeigenschaft auf. 1784 hebt er alle gültigen Weinbergordnungen auf … 1785 führt Theobald Walaschek, Edler von Waldberg, neue Rebsorten vom Rhein und aus Italien ein, richtet eine mustergültige Rebschule in Feldsberg ein und artionalisiert die Kellerwirtschaft … 1828 sind die gebräuchlichsten Rebsorten in Znaim: gelber und grüner Riesling, roter und weißer Traminer, gelber, grüner und schwarzblauer Muskateller, gelber Lampart, blauer Zierfandel und blauer Burgunder … …das Hauptinteresse der Weinbauern lag bis in unsere Tage bei massetragenden Traubensorten. Die Versuche zur Einführung von qualitativ hochstehenden Traubensorten lassen sich bis in das Mittelalter zurückverfolgen. Energisch wurde diese Umstellung aber erst ab 1820 vorangetrieben und gefördert. Etwa ab 1850 begann die Sortenbezeichnung eine größere Rolle zu spielen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Trauben und Weine fast ausschließlich nach der Lage der Weingärten … beurteilt … 1885 zählten zu den beliebtesten Weinsorten Südmährens bei den Rotweinen der Blaufränkische …“

Zuckriegl führt in einem Schreiben vom 11.9.1996 weiter aus: „Rotwein war bei uns (Mähren) eher ein Nebenprodukt. Der ihn aber anbaute, der bekam immer einen guten Preis. Er schmeckte ja auch köstlich. Nach einer unserer Sagen hat Kaiser Karl IV. diese Weinrebe aus Burgund um 1365, als er auch Reichsvikar vom Königreich Burgund war, den Mährern geschenkt, weil er sich für die Hilfe, die er von den Mährern für den Aufbau des Weinbaugebietes in Böhmen fachlich unterstützt und erkenntlich zeigen wollte. Ehe er König geworden, war er Markgraf von Mähren. Das Siegel von Nußlau, einem Ort im slowakischen Teil Ostmährens, aus dem Jahre 1486 zeigt zwei blaue und eine gelbe Traube. Die zwei blauen Trauben sollen „mährische Trauben“ sein … allgemein galt bei uns der Limberger als „fränkischer Wein“. Fränkisch war die Bezeichnung für einen guten Wein, während der Bauernwein „Heunisch“ genannt wurde.“

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