Verein zur Förderung der Lemberger Kultur e.V.
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Die Meinung der Österreicher über den Blaufränkischen ( 2 / 3 )

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… „Über den österreichischen Wein“, die der Prager Student Franciscus Autonius Steindl de Pleseneth am 20. August 1732 bei der Wiener Universität zur Erlangung des Doktorgrades eingereicht hat …“

1767 empfiehlt Martin Nicolaus Baumann in seiner „Abhandlung zur Verbesserung der niederösterreichischen Landwirtschaft“ folgende Sorten zum Anpflanzen … (kein Hinweis auf Blaufränkisch o.ä.) Mittlerweile war jedoch ein Ereignis eingetreten, das die damalige Gelehrtenwelt aufhorchen ließ und auf die weinbauliche Literatur nicht ohne Einfluss bleiben konnte: die Publikation des botanischen Systems der Pflanzen durch den Schweden Linée.

Bereits der Maulbronner Prälat und Prediger Balthasar Sprenger, ein gebürtiger Schwabe, stellte in seiner 1766 erschienenen „Vollständigen Abhandlung des gesamten Weinbaues“ ein alphabetisches Rebenverzeichnis mit Synonymbezeichnungen in deutscher Sprache auf, das er selbst einen ersten Versuch nennt, die verschiedenen Sorten in besondere Klassen zu bringen und anzuzeigen. Auf ihr fußt die 1777 veröffentlichte „Beschreibung der in der Wiener Gegend gemeinen Weintraubenarten“ von Helbling, die den ersten systematischen Rebenkatalog für unser Gebiet beinhaltet. Es sind zuerst 24 und dann, in einem später publizierten Nachtrag, weitere 12 Gattungen. Er gibt dabei auch ziemlich häufige Hinweise, welche dieser Sorten im Südbahnweinbaugebiet gedeihen und in welchen Ausmaßen sie gepflanzt werden, so daß wir wenigstens in der Lage sind, uns über den Rebsatz in diesem Gebiet und seine Veränderungen im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert ein Bild zu machen, besonders wenn wir die immer zahlreicher werdende spätere Literatur kritisch in die Betrachtung mit einbeziehen.

“ … noch haben wir uns nicht über die Trauben unterhalten, die Steindl 2 fuscas nennt und die hier als „Schwarze Gemeine“ bzw. „Schwarze Fränkische“ erscheinen.

… bleibt noch „Das Fränkische“ … Um Mödling und Baden sind etwelche Weingärten damit besetzt. Die Beeren vom letzten Ort aber erlange ungleich weniger Süße“. So charakterisiert sie Helbling, aber er fügt hinzu: „Des Herzogs Karl von Lothringen Königliche Hoheit haben außer Gumpoldskirchen auf einer mittägigen Anhöhe am sogenannten Beigelgraben einen mit dieser vortrefflichen Art ausgesetzten Weinberg, welcher zur Zeit der Traubenfechsung eingeschlossen, um jedes Jahr beynahe um 14 Tage später, als in den umliegenden Weingarten abgelesen wird“. Nach einer Notiz in der kirchlichen Topographie wäre dies auf Herzog Karl von Lothringen, den Türkensieger von 1683, zu beziehen, von dem dort berichtet ist, daß er gegen Ende des 17. Jahrhunderts das Schloss Müllersdorf besaß und dem folglich „die Berge der dortigen Nachbarschaft“ ihre Burgunderreben zu verdanken hätten.

Dagegen hat der Übersetzer und Herausgeber über den Weinbau von Chaptal, Rozier, Parmentier und Dussieux, in etwas veränderter und verkürzter Form als Anhang zum 3. Hauptstück Helblings „Verzeichnis der in der Wiener Gegend gemeinen Traubenarten“ beigefügt, in dem er Helblings Mitteilung wie folgt abändert: „Um Mödling und Pfaffstätten sind etliche Weingärten damit (d.h. mit den Schwarzen, Fränkischen) bepflanzt. In Gumpolskirchen ließ Herzog Carl von Lothringen, der Bruder Kaiser Franz I. auf einer mittägigen Anhöhe einen Weingarten mit dieser vortrefflichen Art bepflanzen“.

Der Türkensieger und Großvater Kaiser Franz I. wird also hier durch seinen Enkel gleichen Namens, Maria Theresias „liebsten Herrn Schwager“ ersetzt. Wir erfahren dort auch, daß er den Freuden der Tafel gehuldigt und sich im Trinken einst übernommen habe. Ebenso erfahren wir dort, daß die Anrede „Königliche Hoheit“, wie sie Helbling in seinem Hinweis gebraucht, erst dem Sohn des Türkensiegers und Vater des Kaisers Franz, Herzog Leopold von Karl VI. zugestanden wurde, während Ludwig XIV. sich weigerte, sie anzuerkennen. Umgekehrt sei der Bruder des Kaisers Franz nie Herzog, sondern stets nur Prinz von Lothringen gewesen. Es ist also keine der beiden Versionen in allen Punkten exakt, immerhin verdient die Helblingsche Topographie gegenüber der kirchlichen insofern mehr Glauben, als der Türkensieger ein kränklicher Mann und sein Enkel sehr lebenslustig war und überdies noch Marcel de Serres 1814 in seinem vierbändigen Reisebericht „Voyage an Autriche“ von Setzlingen aus Burgund berichtet, die die Gemeinde Pfaffstätten zu einem ausgesprochenen Rotweinbaugebiet gemacht hätten, neben Brunn am Gebirge, dem hervorstechendsten Weinbauort. Demgegenüber ist es tatsächlich unwahrscheinlich, daß der Türkensieger, der bis 1688 in Ungarn gegen die Türken und noch 1689 in Frankreich focht, dann 1690 starb, zu dieser Zeit, da kaum noch Fachleute näheres über Rebsorten wußten, sich mit solchen Dingen befaßt haben sollte.

Bei Sprenger sind weder unter der Bezeichnung „Fränkische“, noch unter der Bezeichnung „Schwarze“, blaue Trauben zu finden. Burger weiß etwas darüber zu berichten. Er nennt diese Rebe „Catonia burgundica“ und meint, sie erscheine in Österreich unter verschiedenen Namen. Man nenne sie Frühschwarze, Fränkische, weil sie wahrscheinlich aus Frankreich herrührt. In Klosterneuburg heiße sie Schwarzgrobe, in der Umgebung von Baden die Mährische. Übrigens besteht der Weingarten noch, den Herzog Karl von Lothringen, Bruder des römischen Kaisers Franz I., in der Aichberger Ried anlegen ließ und der bis auf ein Achtel mit der fränkischen Traube bepflanzt sei.

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In Ödenburg heiße sie Burgunder. Goethe schreibt in seinem Handbuch der Ampelographie, sie sei besonders von Robert Schlumberger nach den anderen Kronländern der Monarchie, nach Ungarn und Deutschland verbreitet worden und hätte sich insbesondere in Württemberg unter dem Namen „Limberger“ sehr bewährt und verbreitet.

1969 vermerkt Dr. Harald Prickler in der Monatszeitschrift Universum „Aus der Geschichte des burgenländischen Weinbaus“

u.a.

“ … gingen die Produzenten dazu über, nach der Reblauskatastrophe fast ausschließlich Rotweinsorten zu pflanzen, unter denen sich entscheidend der „Blaufränkische“ durchsetzte …“ 1975 erschien in „Weinbau heute“ von Ruckenbauer-Traxler: “ … Seine (Blaufränkische) Herkunft ist unbekannt. Vermutlich handelt es sich um eine positive Selektion von bodenständigen Rotweinsorten, die unter Karl dem Großen durchgeführt wurde. Die wertvollen Sorten wurden dabei als die „Fränkischen“, die minderen als die „Heunischen“ (Hunnischen) bezeichnet. Die Heimat ist vermutlich Niederösterreich, heute ist es die wichtigste Rotweinsorte des Burgenlandes …“ 1979 wurde von Rudolf Steurer das Buch „Österreichische Weine“ herausgegeben. Hier finden sich folgende Bemerkungen über den Blaufränkischen:

„Blaufränkisch, Ursprung und Abstammung der Rebe“. “ … Mitte des 19. Jahrhunderts läßt sich jedenfalls diese Rotweinsorte in Österreich, Südwestdeutschland, im Elsaß und in Ungarn nachweisen. Der Ursprung der Rebsorte ist unbekannt. Es gibt darüber nur Spekulationen. Auf den ersten Blick läßt vielleicht der Name „Blaufränkisch“ Franken in Deutschland als Heimat der Rebe vermuten. Gegen diese Annahme sprechen die bestimmten Klimaansprüche der Sorte und auch die Tatsache, daß diese Rebsorte in Deutschland nur in Württemberg unter dem Namen „Blauer Lemberger“ oder „Blauer Limberger“, nicht aber in Franken angepflanzt wird.

Obwohl man über die Urheimat also nichts Bestimmtes weiß, dürfte jene Annahme doch die wahrscheinlichste sein, wonach die Rebsorte „Blaufränkisch“ aus einer Rebselektion von heimischen mit fränkischen (französischen) Rotweinsorten hervorgegangen sei. Karl der Große (742–814), unter anderem auch als ein bedeutender Reformer des Weinbaues bekannt, ordnete in seiner Regierungszeit eine umfassende Ausmusterung der damals bestehenden Rebsorten an. Dabei wurden die minderwertigen Reben als „hunnisch“ oder „heunisch“ klassifiziert, weil sie – wie schon der Name sagte – aus Ostländern mit niedriger Rebkultur kamen. Das wertvolle Rebmaterial setzte man hingegen den französischen Sorten gleich und bezeichnete es als „Fränkisch“.

Aus dieser positiven Selektion der damals bodenständigen Rebsorten dürfte sich der Blaufränkische entwickelt haben, der dann offenbar nach Errichtung der Ostmark etwa gegen Ende des 10. Jahrhunderts nach Österreich kam …“

Synonyme des Blaufränkischen:

Jugoslawien: Modra frankinja

Tschechien und Slowakei: Frankoska modra

1980 erwähnte Georg Schreiber, der Apostolische Protonotar, Volkskundler und Hochschullehrer in „Deutsche Weingeschichte“ “ … schloß die Regierung einige Sorten vom Anbau aus, so 1702 den Tauber- oder Sauerschwarzen (wohl Lemberger??), 1726 den Groben …“

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1980 erschien „Die Weine der Alpen“ von Ernst Hornickel. “ … westlich des ungarischen Grenzstädtchens Szombathely haben die Ungarn den durch seine Weine berühmten Eisenberg im Frieden von St. Germain mit den Österreichern teilen müssen … das mittlere Burgenland, früher mit dem Zentrum Ödenburg (Sopron), ist der Bereich nördlich Wiener Neustadt. Man nennt es gern das „Kalifornische Österreich“.

… Die hervorragende Güte der burgenländischen Blaufränkischen gegenüber den ungarischen Angeboten (dort heißt er Großburgunder) erklärt sich daraus, daß er hier – wie auch in Württemberg – nicht mehr mit dem geringerwertigen Blauen Portugieser verschnitten wird …“

1980 schrieb Helmut Romé in „Die großen Weine Österreichs“: “ … Über die Herkunft dieser Sorte weiß man nicht allzuviel. Professor Hans Haushofer von der „Weinuniversität Klosterneuburg“ führt den Blaufränkischen auf eine Rebselektion zur Zeit Karl des Großen zurück.“

Der Gründer des Römischen Reiches Deutscher Nation war ein begeisterter Weinbaureformer. Er ließ die schlechten Reben, die „Hunnischen“, die offensichtlich – wie der Name andeutet – in den östlichen Ländern vorkamen, aussondern und sie durch die neuen, wir würden heute sagen, französischen Sorten, die als „Fränkisch“ bezeichnet wurden, ersetzen. Auf Grund der geschichtlichen Gegebenheiten darf man annehmen, daß Karl der Große diese neuen fränkischen Reben nach dem Sieg über die Awaren und der Errichtung der Ostmark in den heute österreichischen Raum bringen ließ.

Fränkisch hießen damals eine Reihe von den positiv-selektionierten Rebsorten. In Österreich, aber auch in Norditalien, Ungarn Jugoslawien und in Slavonien blieben die Namen erhalten. Das deutet wieder darauf hin, daß die fränkischen Reben im gesamten fränkischen Reich angepflanzt wurden. In Friaul nennt sich die Sorte heute noch „frankonia“, in Ungarn „Kékfrankos“ (=Blaufränkisch, Anbau nur im Ödenburger Gebiet) und in Kroatien „Moravka“ oder „Crna Frankovka“, die auch „Schwarze Fränkische“ heißt.

Unter dieser Bezeichnung wird der Blaufränkische in Niederösterreich im 18. Jahrhundert erwähnt. In der Südsteiermark nannte man die Sorte „Mohren-Königin“. Sie galt als die beste Rotweinsorte. In der Dissertation von 1732 des Prager Studenten Franciscus Antonius Steindl, „De vino austriaco“, wird die Sorte unter den „fuscas“ eingereiht. In der Abhandlung zur Verbesserung der niederösterreichischen Landwirtschaft von Martin Nicolaus Baumann wird auch unser heutiger Blaufränkischer 1767 als „Schwarze Gemeins“, beziehungsweise „Schwarze Fränkische“ empfohlen. In der Beschreibung der in der Wiener Gegend gemeinen Traubenarten“ von Helbling (1777) wird die Sorte als „Das Fränkische“ beschrieben. Nach Helbling hat sie Karl von Lothringen, der Bruder von Kaiser Franz I., am Eichkogel bei Gumpolskirchen Ende des 17. Jahrhunderts ausgepflanzt.“ Dr. Johann Burger bezieht sich in seiner 1837 publizierten Schrift „Systematische Klassifikation der in den österreichischen Weinbaugebieten vorkommenden Traubenarten“ auf die Weingärten von Karl von Lothringen. Burger nennt den Blaufränkischen „Catonia burgundica“ und verweist darauf, daß diese Sorte in Österreich unter verschiedenen Namen vorkommt. Als „Fränkische“, „Frühschwarze“, als „Schwarzgrobe“; in Klosterneuburg und in der Umgebung von Baden als „Mährische“: Der Blaufränkische kam in Pfaffstätten und im Vöslauer Gebiet verbreitet vor. Sein französischer Ursprung wurde stets vermutet. Das Anbauzentrum dürfte aber Niederösterreich gewesen sein. Von hier kam die Sorte nach Ungarn, Kroatien und Deutschland. Daß sie aus Lemberg in Kroatien stammt, ist eher unwahrscheinlich. Aber noch unwahrscheinlicher ist, daß diese Sorte aus Franken kommt. Die Klimaansprüche der Sorte schließen dies mit Sicherheit aus. Im Burgenland, in Zogersdorf und Klingenbach nennt man die Sorte (fälschlich) Burgunder, abgeleitet von „Großer Burgunder“.

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1987 berichtet Jancis Rabinsan in „Reben, Trauben, Weine“: „Österreich-Blaufränkisch.

… Diese Rebe Mitteleuropas wird häufig fälschlich mit Gamay gleichgesetzt. Zwar ist das Blatt der beiden Sorten sehr ähnlich, aber der Blaufränkische ist eine eigenständige Rebe, die vorwiegend mit Österreich in Verbindung zu bringen ist. Trotz ihres Namens dürfte sie wohl kaum aus Franken stammen, weil das Klima dort für sie zu kalt ist …

Der Wein zeichnet sich durch eine für deutsche und österreichische Verhältnisse auffallend dunkle Farbe, sowie durch einen deutlichen Gerbstoffgehalt aus. Obwohl er in Österreich zwischen dem qualitativ besseren Blauburgunder und dem quantitativ überlegenen Portugieser eingestuft wird, darf der Blaufränkisch- Wein als durchaus eigenständig in der Art bezeichnet werden. Seine erdige Süße wird durch relativ kräftige Säure harmonisch ausgewogen, wodurch die Behauptung, es handle sich um Gamay, stets neue Nahrung findet …

Im Klima des Burgenlands fühlt sich der Blaufränkisch offenbar wohl. An den warmen Ufern des Neusiedler Sees hat er seine größte Anbaufläche. Hier wächst auch der durch seinen Namen ehrfurchtgebietende Bismarckwein, der nach der Vorliebe des Eisernen Kanzlers für den Blaufränkisch oder Limberger aus Pöttelsdorf so heißt.

In Ungarn bringt die Rebe unter dem Namen Kékfrankos einen etwa dicklichen Rotwein hervor, der bei Beaujolais-Enthusiasten kaum Gnade finden dürfte. Der Distrikt Sopron nimmt für sich den Ruhm in Anspruch, den besten Wein dieser Art zu liefern, den kein Geringerer als Napoleon eines Kommentars für würdig erachtet hat. Offenbar ein Wein nach dem Geschmack der Expansionisten. Der Köröshegyi Kékfrankos gilt als Ungarns Antwort auf Vintage Port. In der Gegend von Eger leistet der Kékfrankos einen bedeutenden, wenn auch etwas blutarmen Beitrag zu dem berühmten Exportverschnitt Stierblut. Auch in Teilen Jugoslawiens wird die Rebe angebaut“. 1992 wurde von der Burgenländische Weinakademie Rust „Die moderne Weinbaugeschichte“ herausgegeben.

“ … nach der Verbesserung der Rebkulturen wurde im 20. Jahrhundert mit dem Neuaufbau des Weinbaus nach modernen Grundsätzen begonnen … kamen bei der Regenerierung der Rebkulturen allmählich neue Sorten zur Verwendung und diese besonders nach dem Anschluß des Burgenlandes an Österreich im Jahre 1921.“

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In „Der Winzer“ 7/92 schreibt Wilhelm Bauer Bemerkungen über Verbreitung, Herkunft, Benennung und Weiterzüchtung der Rebsorte Blaufränkisch.

Eine sehr gut recherchierte Arbeit liegt von Dipl. Ing. W. Bauer vor, die hier in einigen Passagen wiedergegeben wird. “ … Vom Blaufränkisch hieß es, daß er wegen seiner besondere Bekömmlichkeit die meistverbreitete und beliebteste Rotweinsorte im Lande sei.

In Ungarn ist die Rebsorte unter der Bezeichnung Kékfrankos verbreitet. Bekannte Anbaugebiete liegen am Plattensee (um Balatonboglar und auf der Halbinsel Tiliany), sowie um die Stadt Sopron (Ödenburg).

Der Blaufränkisch dieser Stadt hat Tradition. Soproner Kaufleute lieferten u.a. den aus der Umgebung der Stadt stammenden Blaufränkischwein gegen preußisches Tuch und schlesische Leinwand. Auch Ruster Wein dieser Art ging in großem Maße in die böhmischen Länder und nach Schlesien. In den heutigen selbständigen Staaten des zerfallenden Jugoslawien ist der Blaufränkisch unter dem Namen Modra frankinja bekannt und als Rotwein geschätzt. Besonders wichtig ist diese Rebe und ihr Wein in der Republik Slowenien, im Anbaugebiet südlich von Maribor (Marburg), im östlichen Slowenien bei Lendova sowie im Sava-Gebiet.

Im an Slowenien grenzenden Italien, im Landstrich Friaul, um die Stadt Gorizia (Görz), findet man unter den Rotweinsorten ebenfalls die Blaufränkischrebe, auf Etiketten die Sortenbezeichnung Blaufränkisch ohne jede weitere Übersetzung des Namens! Vor 1800 kamen Blaufränkisch Reben nach Württemberg, vielleicht aus der Gegend um das niederösterreichische Limberg oder von einem Rebschulbesitzer namens Limberger. Um Limberg gab es Rebenhandel. 1909 bot noch der Gutsbesitzer Anton Fiechtel in Klein-Wetzdorf 18.000 Stück einjährige, gut verwachsene und reich bewurzelte Veredlungen an, darunter 16.000 „Limberger (Blaufränkisch), wie es wörtlich hieß“.

1804 wird über den Weinbau im Land Österreich unter der Enns gesagt, daß in Limberg ein guter roter Wein wachse. 1863 berichtet Babo über eine 1862er Traubenschau in Wien und bemängelt, daß die vorgelegten Blaufränkisch-Trauben vielfach fälschlich als Burgunder bezeichnet wurden. 1877 offerierte eine Rebschule in Sollenau die Sorte unter dem Namen Blaufränkisch. Der in Limberg geborene Wilhelm Schmidl absolvierte 1934 die Klosterneuburger Fachlehranstalt und wurde Fachlehrer in Hollabrunn, wo er sich besonders für den Blaufränkisch einsetzte und immer wieder Limberg als die Urheimat und Urverbreitungszelle des Blaufränkischen bei jeder Gelegenheit betonte. Limberg gehört heute zur Stadtgemeinde Maissau (Niederösterreich) und wird als Dorf bezeichnet. Das dort liegende Schloss Limberg ist durch Ing. Raimund Hengls bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet der Rebenveredlung bekannt geworden.“ Ferdinand Reckendorfer, 1893, damals Winzerschuldirektor in Retz, setzte dem Sortennamen Blaufränkisch die Nebennamen „Spätschwarze“ und „Schwarze“ zur Seite und betonte gleichzeitig, daß Traube und Wein in Niederösterreich so allgemein bekannt seien, daß eine Beschreibung nicht nötig wäre. „Eigentlich sei die Benennung der Rebsorte längst abgeklärt, denn die Internationale ampelographische Commission hat in ihrer 2.Versammlung am 23. September 1875 in Colmar beschlossen, daß der „Limberger“ den in seiner Heimat Niederösterreich allgemein gebräuchlichen Namen „Blaufränkisch“ als Hauptname erhalte.

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