Verein zur Förderung der Lemberger Kultur e.V.
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Die Meinung der Österreicher über den Blaufränkischen ( 1 / 3 )

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Wenden wir uns jetzt einmal den österreichischen Quellen aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu, was diese über die Herkunft des Blaufränkischen, des Lembergers, zu berichten wissen. Aus den jeweiligen Veröffentlichungen in Österreich werden nachfolgend nur die für dieses Thema wichtigen Passagen aufgeführt, damit sich das Gesamtbild über die Herkunftversionen der „Blaufränkisch-Lemberger-Rebe“ besser darstellen läßt. 1821 veröffentlicht Franz Ritter von Heintl in „Der Weinbau des österreichischen Kaiserthums“. Über die gesuchte Rebsorte ist hier nichts zu finden. Eine Passage ist allerdings – sie taucht in anderen Veröffentlichungen verschiedentlich auch auf – von gewissem Interesse: “ … in den Weingebirgen von Baden und Pfaffstätten werden viele Burgunder-Reben gezogen, zu denen der Herzog Karl von Lothringen die ersten Setzlinge hatte bringen lassen …“ 1832 gibt Franz Schams sein Buch heraus: „Ungarns Weinbau in seinem ganzen Umfang“. Hier findet sich jedoch kein Hinweis auf den Blaufränkischen o.ä.

1835 kommt von Franz Schams das Buch auf den Markt „Vollständige Beschreibung sämmtlicher berühmten Weingebirge in Oesterreich, Mähren und Böhmen“. In dem Abschnitt „Das Weingebirge von Vöslau über Baden, Gumpoldskirchen“ schreibt er “ … der blaue Burgunder und die blaue Portugieserrebe sind jene vorzugsweise geschätzten Gattungen, aus welchen der dasige rothe Wein gemacht wird, obwohl hin und wieder auch die Schwarzfränkische hervorleuchtet, welche man hier die Mährische nennt … der Vöslauer rothe Wein ist ein Erzeugniß neuester Zeit und zwar seit beiläufig 30 Jahren …“

Mit Interesse nehmen wir die Ausführungen des Johann Burger, der „Heilkunde Doktor“, Mitglied mehrerer Gesellschaften zur Beförderung der Landwirthschaft, zur Kenntnis, die er 1837 in seinem Buch „Systematische Klassifikation und Beschreibung der in österreichischen Weingärten vorkommenden Traubenarten …“ sehr ausführlich beschrieb.
“ … in Burgund wird aus dem Franc Pineau der beste rothe, und in der Champagne der feinste, fast wasserhelle, weiße Wein gemacht.

Im Jahre 1812 ließ Graf Fries in Vöslau einen Weingarten mit dieser Rebensorte anlegen, und man sagte mir, daß man in den folgenden Jahren aus den Trauben derselben, unvermischt mit anderen, sehr guten Wein erzeugt habe. Gegenwärtig findet man zwar allerdings noch diese Traube in den dortigen Weingärten, allein nur mehr in geringer Menge und im Gemische mit der Portugiesertraube, Garidelia praecox, so daß selbst der in den herrschaftlichen Weingärten zu Vöslau erzeugte Wein nur zum kleineren Theile von Burgunder, und weit aus zum größeren Theile von Portugiesertrauben herrührt“.

„Catonia burgundica, Burgundische Catotraube“, Örtliche Benennungen.“

„Diese Traube erscheint in Österreich unter verschiedenen Namen. Man nennt sie häufig und sehr bezeichnend Frühschwarze, weil sie eine der zuerst reifenden Trauben ist; Fränkische, weil sie wahrscheinlich aus Frankreich herrührt; in Klosterneuburg heißt sie Schwarzgrobe, in der Umgebung von Baden die Mährische, und in Langenlois schwarze Muskateller, obgleich sie keinen Muskatgeschmack hat.

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Helbling nennt sie schwarze Fränkische und entwirft ein sehr treues Bild von dieser Traube. In Ödenburg heißt sie Burgunder. In der Steiermark scheint sie wenig bekannt zu seyn. Vest meint zwar, daß seine Catonia aestivalis die bei Helbling vorkommende schwarze Fränkische sey, es paßt aber die Beschreibung der Form der Trauben und Blätter nur unvollkommen auf die vorliegende Art, die mit der Bourguignon noir des Rozier ziemlich übereinstimmt, weßwegen ich sie auch burgundes nenne, und mich um so mehr zu dieser Benennung berechtiget glaube, als die Abkunft dieser Traube aus Burgund auf einer Tatsache beruht; denn es besteht jener Weingarten noch, den der Herzog Karl von Lothringen, Bruder des römischen Kaisers Franz I., zu Gumpoldskirchen in der Aichberger Ried anlegen ließ, und der zur Stunde bis auf den untersten Theil, der etwa den achten Theil des ganzen Flächeninhaltes betragen mag, mit diesen fränkischen Trauben bepflanzt ist.

Unter welchem Namen diese Traube in Burgund selbst erscheint, kann aus den unvollkommenen Beschreibungen der französischen Ampelographie, nicht kommentiert werden. Diese Traube zeichnet sich besonders dadurch aus, daß sie sehr früh reif wird, und als Tafeltraube leicht und zu guten Preisen verkauft werden kann, auch gibt sie in Gumpoldskirchen, Soß, Vöslau und Gainfahrn, wo sie in den letzten Orten unter dem Namen der Mährischen ziemlich häufig kultiviert wird, allein, oder im Gemenge mit der sogenannten Portugiesertraube, Garidelia praecox, einen guten rothen Wein.

In Gainfahrn und Vöslau, und an allen Orten der Umgebung von Baden, wo man den sogenannten rothen Vöslauer Wein macht, werden diese Trauben gemeinschaftlich mit den Portugiesern gelesen, und aus diesen zwei Traubenarten, ausschließlich aller anderen, wird dieser rothe Wein bereitet. Weil aber die mährischen Trauben noch nicht den vollkommenen Grad der Süßigkeit erlangt haben, wenn die frühreifen Portugieser gelesen werden, daß der aus dieser Mischung entstehende Wein weniger mild ist, als man nach der Süßigkeit der Portugiesertrauben schließen sollte.

Wer aus diesen zwei Sorten Weintrauben den besten Wein gewinnen will, muß daher jede einzeln lesen, zuerst die Portugieser und 14 Tage später die Mährischen. Er wird dann Weine bekommen, die ohne Zweifel von einander verschieden seyn werden, wovon aber jeder einzelne milder und geistiger seyn wird, als es der gegenwärtige ist, der aus einem Gemisch zweier Traubenarten hervorgegangen ist, die schon an und für sich bedeutend verschieden sind, mehr aber noch dadurch von einander abweichen, daß sie zur Zeit der Lese in einem verschiedenen Grade der Zeitigung sich befinden“.

1847 bemerkt Karl Fürst in seinem Büchlein: „Versuch über den Weinhandel der Ödenburger Gespannschaft im Königreiche Ungarn“ “ … daß die Pöttelsdorfer und Walbersdorfer ihren schwarzen Burgunder Saamen von dem Hotter der Stadt Oedenburg schon vor einigen Jahr- Zehenden bezogen“.

1855 bringt Franz Xaver Trummer den : „Nachtrag zur systematischen Classification und Beschreibung der im Herzogthum Steiermark vorkommenden Rebsorten“ heraus.

Der österreichische Name des „Blaufränkischen“ wird hier noch ergänzt durch die Synonyme Schwarze Fränkische, Fränkische, Frühschwarze und Schwarzgrobe.

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“ … ob diese Traubensorte aus Franken nach Oesterreich bezogen wurde, ist zu bezweifeln, da die dort befindlichen Sorten zu bekannt sind. Vielmehr ist es wahrscheinlich, daß sie aus Oporto in Portugal mit der frühblauen Portugiesertraube bezogen worden ist, oder aus Burgund, zumal der Herzog Carl von Lothringen, Bruder des römischen Kaisers Franz I. (1745–1765), ungefähr vor 100 Jahren zu Gumpoldskirchen in dem Aichberger Ried Burgunder Reben anlegen ließ, und der bis zum heutigen Tag auf dem untersten Teil mit der fränkischen Traube bepflanzt ist …“ “ … diese Rebsorte wird in Oesterreich bei Gumpoldskirchen, Soß, Vöslau und Gainfahrn unter den Namen Mährische, theils allein, theils mit der Portugiesertraube cultivirt, und es wird aus dieser allein, aber auch aus ihr gemengt mit der Portugiesertraube, der berühmte rothe Vöslauerwein erzeugt.

Diese Traubensorte, welche bis jetzt nur in Oesterreich im Großen cultivirt wird, verdient allseitig, wo man rothen Wein zu erzeugen wünscht, gebaut zu werden, um so mehr, da, wie schon bemerkt, der Stock sehr fruchtbar ist, mit jedem Boden vorlieb nimmt, und einen guten Wein liefert, somit durchaus nichts zu wünschen übrig läßt. Eine sehr fruchtbare, ziemlich früh reifende Tafeltraube, die bisher als Keltertraube zu wenig gewürdigt wurde. Sie steht in Hinsicht ihrer Qualität des Weines zwischen dem blauen Klevner und Portugieser (frühblau), denn gegen den blauen Klevner und Portugieser reift die Fränkische zwar später, wird jedoch noch in allen, dem Weinbaue mittelmäßig günstigen Gegenden vollkommen reif …“

1856 schreibt Johann Baumgarten die „Anleitung zum einträglichen Betriebe des Weinbaus in Oesterreich“. Der Verfasser hatte u.a. in Gumpoldskirchen eine Rebschule und zählt 156 Rebsorten aus der k.k. Monarchie seiner Zeit auf, ohne dabei den Blaufränkischen zu erwähnen.

Hermann Goethe, Direktor der steiermärkischen Weinbauschule in Marburg, hat 1873 in „Der Weingarten“ 42 Rebsorten beschrieben, jedoch den Blaufränkischen o.ä. nicht erwähnt. 1873 verfasste Arthur Freiherr von Hohenbruch sein Werk „Die Weinproduction in Österreich“. „Auf einer Karte von 1873 ist ersichtlich, daß die Stadt Lemberg im nordöstlichen Gallizien liegt; dort besteht kein bedeutender Weinbau …“

“ … die wenigen Weingärten in Gallizien (einige kleine Versuchsweingärten bei Zaleszezyli an der Grenze gegen die Bukowina) … in neuester Zeit, besonders über Veranlassung des Herrn Ritter von Guttmanstal, wurden in den Weinbaubezirken Racal nachstehende Rebsorten von auswärts eingeführt, u.a. Blaufränkisch, Portugieser … die in älteren Weingärten in Niederöstreich gemischt vorkommenden Rebsorten sind u.a. Blauer Fränkischer, Portugieser … während die Rebsorten für Rothweine sich in den verschiedenen Bezirken zumeist mit weissen Sorten gemischt vorfinden, sind es in Vöslau und Umgebung reine Rothwein-Culturen, woselbst der blaue Portugieser mehr oder weniger mit blauem Fränkisch gemischt, einen sehr feinen und allseits anerkannten Rothwein liefert …“

Zum besseren Verständnis: Die Stadt Lemberg – nördlich der Karpaten – war von 1772 bis 1918 im Königreich Österreich die Hauptstadt Galiziens. Heute ist Lemberg eine Gebietshauptstadt in der Ukraine.

1874 wurde der „Illustrirte Weinbaukalender“ durch Freiherr von Babo herausgebracht. Darin ist nachzulesen: “ … Der erste Direktor der Klosterneuburger Fachlehranstalt, der Begründer des Weltrufes dieser Lehr- und Forschungsanstalt, August Wilhelm Freiherr von Babo, geboren 25. Jänner 1827 in Weinheim, Baden, gestorben 10. Oktober 1894 in Klosterneuburg, gab in den Jahren 1872 bis 1893 einen „Illustrierten Weinbau- Kalender“ heraus. Redigiert wurde der Kalender von Dr. A. Zuchristan …“

“ … in Niederösterreich wurden 1874 u.a. auch Blaufränkische und Burgunder kultiviert … der Blaufränkische, auch Lemberger oder blauer Burgunder genannt, ist bei Vöslau daheim …“ 1878 gab Hermann Goethe das „Handbuch der Ampelographie“ heraus, in dem folgendes nachzulesen ist:

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„Blaufränkisch, blaue Keltertraube“. “ … in Niederösterreich bei Vöslau allgemein als Blaufränkisch verbreitet. In Kroatien als „Schwarze Fränkische“ oder „Crna francovka“ und „Moravka“ bekannt. Für die Verbreitung dieser Varietät war besonders Herr Robert Schlumberger, Weingroßhändler und Weingutsbesitzer in Vöslau thätig. Da derselbe, ebensowenig die Werke von Single und Dornfeld, die Benennung „Lemberger“ genügend erklären und begründen können, so wurde von der „Internationalen ampelographischen Kommission“ bei der zweiten Jahresversammlung 1875 in Kolmar die in der Heimat dieser Sorte gebräuchliche „Blaufränkische“ als Hauptname angenommen …

… Der Blaufränkische stammt aus Niederösterreich, wo er meistens gemischt mit dem „Blauen Portugieser“ in der Gegend von Vöslau, Siebenhirten und Matzen in größerer Ausdehnung vorkommt und von da nach den anderen Kronländern Österreichs, nach Ungarn, Kroatien und auch nach Deutschland verbreitet wurde. Insbesondere hat er sich in Württemberg sehr bewährt und unter dem Namen „Lemberger“ stark verbreitet … eine sehr schätzbare Rotweintraube …“

1889 schreibt Robert Schröer in „Der Weinbau und die Weine Oesterreich-Ungarns“. Für das Gebiet von Niederösterreich wird nur kurz die blaufränkische Traube aus Vöslau angeführt. Ebenso wird dies aus der Steiermark und von Mähren erwähnt. Über die eigentliche Herkunft wird nichts berichtet. Aus den ungarischen Anbaugebieten werden keine Angaben über den Blaufränkisch gemacht.

Von der deutschsprachigen Benennung in Ungarn vor 1920 sind Belege vorhanden. Im Jahre 1896 berief das königlich-ungarische Ackerbauministerium eine Enquête der Weinbaufachorgane ein, deren Aufgabe es war, die für die verschiedenen Gegenden des Landes am besten entsprechenden Rebsorten festzustellen. Beispielsweise wurden für die Rust-, Ödenburg- und Preßburger Weingegend als Rotweinsorten Groß-Burgunder (Blau-Fränkisch), Portugieser (Oporto), Cabernet und Merlot empfohlen. Für das Preßburger Komitat wurde nur die Rotweinsorte Blaufränkisch genannt, für das Komitat Wieselburg aber Groß- Burgunder, Oporto, Cabernet und Merlot. Betreffend das Komitat Neutra hieß es: „Rotweinsorten sind im allgemeinen nicht zu empfehlen, doch könnten in guten Lagen ausnahmsweise Oporto und Groß-Burgunder gebaut werden. Für alle anderen Komitate wird, wenn Blaufränkisch gemeint, immer nur „Groß-Burgunder“ geschrieben. Also ein altes Synonym!“

Nebennamen im Burgenland waren in den zwanziger Jahren bei den Weinbauern die Namen Groß-Burgunder, Burgunder, aber auch der Name Agendorfer war in Gebrauch. Agendorf liegt in der Nähe von Ödenburg – also auch ein Hinweis, daß dort die Sorte dominierte.

1912 erschien in einem Sonderdruck des Würzburger General- Anzeigers ein Bericht von Weinbauinspektor J. Nägele vom Bürgerspital über „Die Weinbau- Studienreise nach Oesterreich“. Auch hier sind keinerlei Hinweise auf den Blaufränkischen zu ersehen.

1912 entsteht der Bericht von L. Mittmann, dem Verwalter der Königlich-Württ. Rebenveredlungsanstalt Offenau a.N. über eine Studienreise durch die Weinbaugebiete Niederösterreichs, der Steiermark und des österreichischen Küstenlandes: „Der Weinbau mit veredelten Reben in Oesterreich“. Darin ist vermerkt: “ … den Hauptsatz in den bäuerlichen Weingärten in und um Klosterneuburg bilden … als Rotweinsorten hauptsächlich der Lemberger …“

1924: Albert Stummer (Znaim) kennt für den Blaufränkischen folgende Nebennamen: Mährische, Schwarzgrober, Spätschwarzer, Limberger.

1931 wurde im Rahmen „10 Jahre Burgenland“ der Bericht „Burgenlands Weinbau“ von Weinbaudirektor Hans Bauer veröffentlicht, in dem es heißt:

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“ … das Herz des burgenländischen Weinbaues bildet die weltbekannte ehemals königliche Freistadt Rust. Eine ganz besondere Spezialität bilden neben den herrlichen Spätlesen die rubinfarbigen Rotweine, gewonnen aus der Traubensorte Blaufränkisch!“ 1932 gibt Matthias Arthold (Möding) die Bezeichnungen: Blaufränkisch, Spätschwarzer, Schwarzgrober, Großburgunder, Mährischer, Limberger.

1933 Bei der Burgenländischen Landesweinkost in Eisenstadt wird wohl gesagt, daß die Rebsorte Blaufränkisch in Rust, Oggau, Mörbisch, Oslip, Schützen am Gebirge, Purbach, Breitenbrunn, Jois, Weiden, Gols usw. angebaut wird, aber bei der Weinbenennung im Katalog stößt man eher auf den Namen Burgunder als Blaufränkisch.

1951 wird von der Burgenländischen Landesregierung eine Schrift: „Burgenland-Landeskunde“ herausgegeben. Über den Blaufränkischen findet sich lediglich der Hinweis: “ … heute bestreitet der Blaufränkische den Hauptsatz der Rotweine im Burgenland …“

Dr. Robert Schlumberger schreibt in „Unsere Heimat, Monatsblatt des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien“, Jahrgang 34–1963, Nummer 1. Hier einige Auszüge daraus: „Die Blaue Portugieser-Rebe und die Sonderstellung von Vöslau in der Weinbaugeschichte Österreichs“.

„Der Verfasser des ältesten Fachbuches über den österreichischen Weinbau, der Schottenorganist Johannes Rasch, der mit besonderer Liebe und Sachkenntnis die verschiedenen Weinbauarbeiten und die dabei vorfallenden Mißbräuche zu schildern weiß, erwähnt in seinem Weinbuche „Von Bau, Pfleg und Brauch des Weines“, das 1582 in München gedruckt wurde, nirgends heimische Rebsorten, obwohl er, seiner Zeit weit voraussehend, der Gewächse gedenkt, die neben dem Weinstock nicht gepflanzt werden dürfen, ein Forschungszweig, der unter dem Allgemeinbegriff Ökologie heute wieder sehr aktuell geworden ist. So bleibt die Rebsortenkunde in unserem Vöslauer Weinbaugebiet für die Zeit vor und zwischen den Türkenkriegen für uns ein praktisch so gut wie unerforschliches Geheimnis:

… gerade um diese Zeit begann unter dem Einfluß des Merkantilismus, bei uns aber wohl auch im Hochgefühl der Abwehr der Türkengefahr, die sogenannte „Hausväter-Literatur“ in die Halme zu schießen, für die in Österreich Wolf Helmard von Hohberg mit seinen 1716 erschienenen „Georgica Curiosa“ repräsentativ ist. Von den 63 Folioseiten, die er in seinem dreibändigen Werke dem „Weingarten“ (Weinbau und Weinbereitung) widmet, bezieht sich auch eine auf der „Reben Gattung“ – aber er nennt oder beschreibt keine einzige dieser Gattungen, sondern beschränkt sich auf den praktischen Rat: bei der Auswahl vorsichtig zu sein, … damit gibt er wohl in bester Überzeugung die damals herrschende Ansicht der praktischen Landwirte wieder und bleibt somit vollkommen in den Fußstapfen des Johannes Rasch, der den klimatischen Einflüssen und dem Boden wesentlich höheres Augenmerk schenkt als der Sorte.

Gewiß hat es auch im deutschen Sprachgebiet seit dem 17. Jahrhundert nicht an Versuchen gefehlet, in die Unzahl der Rebsorten und Rebnamen ein System zu bringen – ein Unterfangen, dessen möglichen Erfolg schon der römische Dichter Vergil in vier Versen seiner Georgica in Frage stellt: die Zahl der einen oder anderen zu ermitteln, meint er, käme dem Versuche gleich, die vom Zeephir in der libyschen Wüste aufgewirbelten Sandkörner zählen zu wollen …

… die meisten Autoren bemühen sich, die jeweils besten und verbreitesten aufzuzählen. So finden wir für Österreich einen frühen Hinweis in der medizinischen Dissertation „De vino austriaco“

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