Verein zur Förderung der Lemberger Kultur e.V.
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Des Rätsels Lösung mit der Namensdeutung

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Die Rebsorten Lemberger und Limberger sind seit ihrer ersten bekanntgewordenen Lieferung von Schnittlingen aus Österreich nach Württemberg – in der Zeit um 1850 – zunächst ohne nähere Begründung so bezeichnet worden. Im ehemaligen Königreich Österreich-Ungarn gab es damals für diese Rotgewächs-Rebensorte ein regionales Konglomerat unterschiedlicher Namen wie: Mährische, Mährer, Schwarze Gemeine, Grobschwarze, Schwarzgrobe, Frühschwarze, Spätschwarze, Großburgunder, Schwarze Fränkische, Schwarzfränkisch, Schwarzer Muskateller, Mohren- Königin, Blauer Frankenthaler.

Wolf Helmard Freiherr von Hohberg schrieb bereits 1716 in „Georgica Curiosa“ die auch 160 Jahre später noch für die Blaufränkisch- Rebe zutreffenden Worte:

“ … auf die Namen der Drauben hat sich ein Hausvatter darumb nicht sonderlich zu gründen, weil sie von einem Ort nicht wie an dem andern genannt sind.“

Erst bei dem 2. Deutschen Weinbau-Congreß mit der Internationalen Ampelographischen Commission“ vom 23. September bis 3. Oktober 1875 im elsässischen Colmar einigten sich die anwesenden Ausschussmitglieder aus der Vielzahl von Sortenbezeichnungen in Österreich und Württemberg auf die offizielle Bezeichnung „Blaufränkisch“ und als Synonym „Blauer Limberger“. Vielfach wird in der Fachliteratur nur kurz darauf hingewiesen, daß die Synonyme Limberger und auch Lemberger die Namen der Rebenzüchter dieser Rebsorte sein könnten. Dies darf jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden; es gibt zumindest bis dato keinerlei Hinweise bzw. Anhaltspunkte für diese Version.

Eine andere Variante, daß die Lembergerrebe von einem Ort kommen könne, der Limberg oder Lemberg heißt, ist eher wahrscheinlich. In Niederösterreich, südlich des Weinbaugebietes von Retz, heute zur Stadt Maissau eingegliedert, gibt es den alten Weinort „Limberg“. Im dortigen Bereich gab es in der Tat im 19. Jahrhundert einen Handel mit Rebschnittlingen. Noch im Jahre 1909 bot der Gutsbesitzer Anton Fiechtel in Klein-Wetzdorf „18.000 Stück einjährige, gut verwachsene und reich bewurzelte Veredlungen an, darunter 16.000 Limberger (Blaufränkische)“, wie es wörtlich hieß. Bereits 1804 wird über den Weinbau in Limberg berichtet, daß hier ein guter roter Wein wachse.

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Der in Limberg geborene Wilhelm Schmidl absolvierte 1934 die Lehranstalt für Weinbau in Klosterneuburg und war danach als Dozent an der Weinbauschule in Hollabrunn tätig. Er war ein eifriger Verfechter, seinen Heimatort Limberg als die „Urheimat und Urverbreitungszelle“ des Blaufränkischen zu bezeichnen. Die Gemeinde Limberg (mit dem gleichnamigen Schloss) ist auch durch die bahnbrechenden Arbeiten des Dipl. Ing. Raimund Hengls auf dem Gebiet der Rebenveredlung (Rebenveredlungsmaschinen RH – 53) bekannt.

Vor der Reblausinvasion war die Gegend um Limberg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein bedeutendes Rotweingebiet. Kaiser Ferdinand, der Onkel des späteren Kaisers Franz Josef, bezog für die Hoftafel in Wien den Blaufränkischen aus Limberg, der ebenfalls als Limbergerwein bezeichnet wurde. Vergessen wir auch nicht, auf die Weinbaugemeinde Lemberg einzugehen. Da gab es in der k.k. Donaumonarchie Oesterreich- Ungarn im Gebiet der damaligen Untersteiermark (heute Republik Slowenien) den Ort Lemberg, etwa 40 km südwestlich von Marburg (heute Maribor) und ca. 25 km östlich von Cilli (heute Celja) gelegen. Aus diesem Weinanbaugebiet – der frühere Weinort Luttenberg miteingeschlossen (ca. 15 km von der Grenze zu Kroatien) – wurden 1877 nachweislich „Blaufränkische Reben“ (aus dem sog. Luttenberger Satz) exportiert.

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Ergo:
Die Möglichkeit, daß die Weinorte Limberg bei Maissau im Nordwesten des österreichischen Weinviertels sowie Lemberg (samt Luttenberg) im heutigen Slowenien (frühere Untersteiermark) die Namensgeber der Rotweinsorte Blauer Limberger bzw. Blauer Lemberger sein könnten, ist aus den vorausgegangenen Zusammenhängen zumindest nicht von der Hand zu weisen.

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